Wolfgang Held (Schriftsteller)

„Bruno Apitz hat ja mit dem Herzen gedacht, weniger mit dem Gehirn – Bruno, ein Herzensmensch. Und ohne das Erlebnis Buchenwald, das ganz tief in ihm drin saß, das sein ganzes Leben geprägt hat, die Solidarität dort und die Feindschaften, die Veränderungen, die Menschen dort durchmachen unter bestimmten harten Bedingungen. Wie da plötzlich anständige junge Menschen zu Schweinehunden werden und wie Schweinehunde sich plötzlich als ganz anständig erweisen. Dieses Erlebnis hat er mit der Seele gesehen und mit dem Herz aufgenommen.“

René Schwachhofer (Dichter)

„Diese Schlichtheit und Aufgeschlossenheit sind Grundzüge im Wesen des Schriftstellers, der stets mit beispielhafter Bescheidenheit auftrat und (beschienen von der Sonne seines Erfolges) auftritt. Es ist wohl das wahrhaft ‚Menschliche’, dass die Persönlichkeit von Bruno Apitz prägt: die Fähigkeit, mit anderen, ihm vielleicht sogar wesenfremden Zeitgenossen mitzufühlen, ihnen mit Rat und Tat beizustehen und sie vielleicht sogar auf den richtigen Weg zu bringen. […] Die so warmherzige und verständnisvolle Haltung anderen gegenüber hat Bruno Apitz von jeher Zuneigung und Vertrauen unzähliger Menschen eingebracht. […] Immer wieder betont Bruno Apitz, daß das Politische und Poetische in keiner Weise einander ausschließen; erst in wechselseitiger Durchdringung ergebe sich das echte, gültige Kunstwerk.“

Erich Loest (Schriftsteller)

„Bruno Apitz war ein temperamentvoller, kameradschaftlicher Streiter […].“

Eva Lippold (Schriftstellerin)

„Ein Schweiger war er [Bruno Apitz], als ich […] ihn 1956 zum ersten Male sah. Vor mir saß ein schmaler, zurückhaltender Mann, Ende 50 etwa, sagte, er wolle gern in unsere Parteigruppe überwechseln, schob mir Parteibuch, Fragebogen und Lebenslauf über den Tisch, […] ging still, wie er gekommen war, wieder fort. […] Während der Versammlungen sah ich ihn stumm an der Wand sitzen. Aufmerksam zuhörend bis zum Ende, erwartete er mich stets unten vor der Tür, trank mit mir irgendwo eine Tasse Kaffee, und seine Scheu wich mehr und mehr der Beredsamkeit eines Menschen, der reden muß, wenn er nicht ersticken soll. Ich erfuhr von seiner Einsamkeit, die dennoch sich fürchtete vor dem Zusammenleben mit einer Frau; von seinen Schreibversuchen und auch ‑beendigungen, die er niemand zu zeigen wagte, weil er nicht mehr den Mut zu sich selbst fände; wie er bis heute das KZ mit sich herumtrage, das ihn heimsuche Tag und Nacht.“

 

Dr. Eberhard Günther (langjähriger Verlagsleiter des Mitteldeutschen Verlages Halle)

„Als ich das erste Mal mit ihm [Bruno Apitz] zusammentraf, war ich überrascht. Man merkte überhaupt nicht, dass er ein hoch geehrter Mann war. Sein freundliches Wesen und seine leise Art zu sprechen waren sehr angenehm. Auch seine Berliner Wohnung war bescheiden und ohne viel Komfort eingerichtet.“

Helmut Hauptmann (Schriftsteller)

„Nicht jedem widerfährt, was ihm [Bruno Apitz] widerfahren ist. Nicht jeder besteht, was er bestanden hat. Nicht jeder kann ein Kommunist von dieser Legierung sein. Das macht sein Geheimnis aus, etwas Einfaches, Großes, Schlichtes, das ganz gewöhnlich anmutet […], weitab von der Imagination des strahlenden Helden mit breiter Brust und scharfen [sic!] Schwert, näher am Bild des fahrenden Sängers, […] der über Land zieht in schlotterndem Mantel, seine Tapferkeit und Weisheit unauffällig hinter dem gütigen, schalkhaften Lächeln.“

Martin Gregor-Dellin (Schriftsteller, Lektor des Buches „Nackt unter Wölfen“)

„Bruno Apitz, 1900 geboren, als ich ihn kennenlernte im 56. Lebensjahr, wohnte im Norden Berlins in einer geräumigen, aber fast leeren Wohnung im obersten Stockwerk eines nicht ausgebombten Mietshauses. Er lebte damals allein. Wir saßen uns meist, Kaffee trinkend, an einem einfachen großen Holztisch gegenüber, hinter ihm an der Wand ein beinah leeres Regal, eine Tischlampe zwischen uns, mehr ist mir nicht mehr in Erinnerung. Seltsamerweise erwies sich Apitz gar nicht als schwierig. Er akzeptierte vielmehr den um so viel jüngeren und obendrein aus dem Bürgertum stammenden Lektor als literarischen Berater sofort und erhob während der sich lang hinziehenden Arbeit am Buch wenig Einwände gegen meine Vorschläge, auch wenn er an einigen zwischen uns umstrittenen Textstellen beharrlich festhielt. […] Apitz sah spitz aus, grau, unglücklich, oft war er nervös, aber er hatte keine Allüren. Er litt offenbar immer noch an den Folgen der langen Haft. […] Die Geschichten, die Apitz erzählte, waren erschütternd, weil sich ihre Wahrheit auch in einfachen Worten unmittelbar mitteilte. Deshalb ließ sich auch gegen einige heikle Szenen literarisch schwer etwas einwenden. Apitz sprach viel und verteidigte seinen Text, indem er ihn noch einmal erzählte. Passte man genau auf, so ergab sich daraus eine Verbesserung. Der eigentlich schwierige Teil der Arbeit am Manuskript setzte jeweils ein, wenn mir nach einem Vierteljahr ein neuer Manuskriptstoß vorlag und es ans Sprachliche ging, an die Streichung von Adjektiven, an die Beseitigung stilistischer Unmöglichkeiten. Manchmal mussten ganze Sätze fallen. Die Gefahr, dass hier der Lektor entweder versagte oder Opernhaftes stehen blieb oder dass es zum Bruch mit dem Autor kam, lag immer nahe. Blind geworden, überließ ich die Gegenlektüre zeitweilig einem Kollegen, der mich auch zwei- oder dreimal mit nach Berlin begleitete. Apitz empfing uns gewöhnlich auf der Straße: Er hatte gerade um die Ecke Schrippen gekauft.“

Stefan Heym (Schriftsteller) über „Nackt unter Wölfen“

„[D]urch die Sprache hindurch […] spür[t] man das Herzblut des Autors pulsieren.“

Marcel Reich-Ranicki (Schriftsteller, Literaturkritiker) über „Nackt unter Wölfen“

„Der Schlüsselsatz lautet: ,Ein Mensch, der Anspruch erhebt, diesen Namen zu tragen, muß sich in all seinem Tun stets für die höhere Pflicht entscheiden.‘ Tatsächlich ignorieren die Helden des Romans nicht nur die Regeln des Widerstandskampes, sondern auch die elementaren Grundsätze ihrer Partei. Sie lassen sich nicht von pragmatischen Überlegungen leiten, sondern von Güte und Herzenswärme. Die ,höhere‘ Pflicht – das ist in ‚Nackt unter Wölfen‘ die schlichte Menschlichkeit, die über alle anderen Gesichtspunkte triumphiert und auch das Interesse der Partei in den Hintergrund treten lässt.“